Positionspapier zur Durchführung von Veranstaltungen im Land Mecklenburg-Vorpommern unter besonderer Berücksichtigung der aktuellen Situation ausgelöst durch COVID-19

Folgende Unternehmen sind an diesem Positionspapier beteiligt:

  • HanseMesse Rostock (FLAIR AM MEER, ImmoNord, PflegeMesse, RoBau - Rostocker Baumesse, RasseHunde, SPIELidee, GastRo, HochzeitsMesse, OstseeMesse, Tier&Natur in MV, AutoTrend)
  • CYBORG Messebau-Zelte GmbH
  • Das AgenturHaus GmbH (Hanseschau Wismar, British Flair mit Country Fair in Klütz, LebensArt in Redefin, Putbus und Burg Stargard, LebensArt Weihnachtswelt in Brook)
  • expotec GmbH (Boot+Angeln, Wassersport, Camping & Caravaning Rostock, Fahrrad-Reisen-Outdoor-Fotografie)
  • Marketing Direkt GmbH
  • MAZ – Messe- und Ausstellungszentrum Mühlengeez GmbH (MeLa, Pferd + Hund - Turnier Mühlengeez, Oldtimertage Mühlengeez)
  • MME Veranstaltungstechnik und- management
  • Messebau Brüsewitz
  • Neue Messe GmbH Rostock (Bauen & Sanieren – EIGENHEIM in Rostock, Schwerin und Neubrandenburg, WOHNIDEEN & Lifestyle in Rostock, HANDWERK in Schwerin)
  • prisma werbung GmbH & Messebau
  • Projekt rk GmbH & Co. KG

Die beteiligten Unternehmen stehen für mehr als 30 Messen und Ausstellungen mit zum Teil überregionaler Bedeutung in Mecklenburg-Vorpommern mit über 4.000 Ausstellern (mehrheitlich aus Mecklenburg-Vorpommern) und über 500.000 Besuchern. Sie stellten im Rahmen eines Krisengespräches am 4. Mai 2020 fest:

Die Veranstaltungsbranche ist mit als Erstes von den Folgen des Coronavirus COVID-19 betroffen, die extremen und wirtschaftlichen Folgen sofort spürbar. Die Folgen sind hohe und dramatische wirtschaftliche Einbußen und Verluste sowohl für die Unternehmen als auch Mitarbeiter* (Kurzarbeit zur Sicherung des Arbeitsplatzes, nicht ausgeschlossene Kündigungen). Auch wird die Branche nach jetziger Lage mit die letzte sein, die sich unter den gegebenen Bedingungen von dieser Krise erholen kann und wird. Damit steht die Branche insgesamt mit allen Facetten wie Ausstellungen, Messen und Kongressen, diversen kulturellen und musikalischen Veranstaltungen und Märkten jeder Art vor dem Kollaps.
Betroffen sind des Weiteren auch Folge-Dienstleister wie Messe- und Zeltbauer, Elektro- und Wasserinstallateure, inbesondere Securityunternehmen, Hotellerie-, Gastronomie- und Cateringunternehmen, Künstler, Vortragende, Verlage, Firmen für Außenwerbungen, Reinigungsunternehmen, Veranstaltungstechniker, Druckereien, Werbeunternehmen, Logistiker, Personenbeförderungsunternehmen, Containervermieter.

Weiterhin stellten alle teilnehmenden Parteien aber auch fest, dass gerade regionale Messen ein wichtiger Motor für den „Neuanfang“ nach der Krise sind. Sie sind kurzfristige Marktplattformen für regionale und überregionale Firmen, um Umsätze zu generieren und mit Stammkunden und potentiellen Neukunden wieder Kontakte aufzubauen. Innovationen müssen präsentiert werden und ein langfristiges Geschäft muss angekurbelt werden. Diese dringende Perspektive muss diesem Markt aufgezeigt werden. Aufgrund der Komplexität dieser Veranstaltungen ist eine langfristige Vorbereitung notwendig und somit klare Richtlinien ab spätestens Juni 2020 notwendig.

Die teilnehmenden Parteien fordern keine Aufrechterhaltung oder Durchführung von Veranstaltungen um jeden Preis, es ist keine Aufrechnung von Wirtschaft gegen Gesundheit erwünscht oder gefordert. Die Gesundheit und Sicherheit aller Beteiligten haben oberste Priorität. Allerdings halten wir es für unabdingbar, in Kooperation mit den Genehmigungsbehörden, in Gesprächen oder auch schriftlich, gemeinsam die Kriterien zu erarbeiten, die eine differenzierte Betrachtung der unterschiedlichen Arten von Veranstaltungen erst ermöglicht. Ein pauschal ausgesprochenes Verbot sogenannter Großveranstaltungen ist ohne sachgerechte Einzelprüfung weder wirtschaftlich sinnvoll noch gesellschaftspolitisch zu vermitteln. Eine Beurteilung der Gesamtsituation ist nur in Zusammenarbeit mit den Akteuren der Veranstaltungswirtschaft möglich und wird daher von uns ausdrücklich angeboten.

Zu beleuchten sind im Rahmen des Kriterienkatalogs die Aspekte eines alternativen Veranstaltungskonzeptes unter Berücksichtigung von

  • Keine Pauschalisierung sondern Klassifizierung
  • Klassifizierung der jeweiligen Veranstaltung gemäß Erfahrungen der vorangegangenen Jahre (beispielsweise in Bezug auf Aussteller- und Besucherzahlen und deren Herkunft)
  • Charakter bzw. Ausrichtung der Veranstaltung (Indoor oder Outdoor, Aussteller und Besucher aus welchem Raum (regional, überregional, international))
  • Größe des Veranstaltungsorts (Größe der Halle oder des Geländes, Breite der Wege, Wegeführung, Bühnensituation, Tanz- oder Musikbereiche)
  • strengen Sicherheitsauflagen wie die mittlerweile allgemein bekannten Verhaltensvorschriften für Besucher und Mitarbeiter
  • Hygienemaßnahmen für alle Anwesenden entsprechend der jeweils aktuellen Situation
  • Besucherregulierungen vor Ort (Eintrittskontrollen und Beschränkungen auf Höchstanzahl von Besuchern zur gleichen Zeit//in einer bestimmten Zeitspanne)
  • Besuchersteuerung (Ein- und Ausgangtrennung, Gehwegregelungen, vorgegebene Laufrouten, Auslassmanagement)
  • Öffnungszeitenregelungen
  • An- und Abreisemanagement

Die Berücksichtigung durch die Behörden eines alternativen Veranstaltungskonzepts auf Grundlage der genannten Kriterien ist unbedingt erforderlich, um den Erhalt von Firmen und der verbundenen Arbeitsplätze sicher zu stellen (regionale Wirtschaftsbetriebe, Lieferanten (Technik und weitere), Aussteller, Künstler) und zu gewährleisten. Die lokalen Behörden müssen durch Experten-Teams aus der Branche unterstützt werden, um Entscheidungen auf Basis von Fachwissen zu treffen. Die Vielfalt der möglichen Szenarien macht dies unabdingbar. Eine Komplettuntersagung jeder Art und Form der Veranstaltung bis mindestens 31. August 2020, so wie es die Bundesregierung pauschal verkündet hat, ist für die Veranstaltungsbranche und die dazugehörigen Existenzen wirtschaftlich nicht durchzustehen, zumal auch für den Zeitraum danach keine Perspektive nur absehbar oder gar gesichert ist.

Die Beteiligten fordern einen Stufenplan für Veranstaltungen ab 11. Mai bis 31. August 2020 und für Veranstaltungen ab September bis spätestens 15. Juni 2020. Die beteiligten Parteien fordern, die Durchführungsbestimmungen zu prüfen und differenziert zu betrachten.

Ferner muss es die Einrichtung eines „Schutzschirms“ für die nachweislich betroffenen Unternehmen der Veranstaltungsbranche geben, da bereits abgesagte Veranstaltungen und Umsätze nicht nachgeholt werden können. Die Auswirkungen auf das Gesamtgeschäftsjahr 2020 sind noch nicht abzuschätzen. Die Beteiligten fordern Ausfallentschädigungen auf der Basis der Vorveranstaltungen. Die Auswirkungen werden sich weit in die Folgejahre erstrecken. Die beteiligten Firmen fordern deshalb die Überarbeitung der Messeförderprogramme zur Wiederstarkung der regionalen Messen.

Die unterzeichnenden Firmen sind zu jeder Zeit bereit, sich in die Entscheidungsprozesse konstruktiv mit einzubringen und fordern die Aufnahme von gemeinsamen Gesprächen zur Erläuterung eines Stufenplans innerhalb der nächsten zwei Wochen. Veranstaltungen, Messen und Ausstellungen sind keine Freizeitveranstaltungen, sondern stellen seit Jahren einen unverzichtbaren Wirtschaftsfaktor in Mecklenburg-Vorpommern dar und sichern einen überproportionalen Impuls für die regionale Wirtschaft. Unter anderem profitieren auch die Tourismuswirtschaft, der Einzelhandel und die Gastronomie in erheblichem Maß von Aktivitäten unseres Wirtschaftszweiges. Diese Faktoren des öffentlichen Lebens und Miteinanders gilt es für die Zukunft zu erhalten.

Ansprechpartner für die geforderten Gespräche ist stellvertretend für alle Unternehmen die inRostock GmbH (Andreas Markgraf, Tel. 0381-4400-601, a.markgraf[at]inrostock.de).

*In diesem Positionspapier wird die Formulierung Mitarbeiter, Besucher, etc. als maskulines Nomen verwendet. Mit dieser Bezeichnung werden alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen.